Reskilling: Machen Sie Ihre Fabrik und Ihre Mitarbeiter zukunftssicher!
Sieben Tipps zur Umschulung von Produktionsmitarbeitern, von Microlearning bis zum persönlichen Entwicklungsplan.

Es ist Ihnen sicher nicht entgangen: Die gesellschaftlichen Entwicklungen verlaufen derzeit rasend schnell. Wenn man nur kurz blinzelt, wurden schon wieder neue Apps entwickelt und Geschäftsprozesse noch intelligenter und effizienter gestaltet. Es wird sogar immer normaler, in einem Restaurant, Krankenhaus oder einer Fabrik auf einen Roboter zu treffen. Damit ändert sich etwas Grundlegendes: die Rolle des Menschen am Arbeitsplatz. Auch in Fabriken dreht sich heute immer mehr um Denkarbeit, Steuerung und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie. Von einem Produktionsmitarbeiter werden daher ganz andere Kenntnisse und Fähigkeiten erwartet als noch vor etwa zehn Jahren. Und genau hier kommt Reskilling ins Spiel.
Was ist Reskilling eigentlich?
Während Upskilling dem eher altmodischen Begriff „Weiterbildung“ entspricht, geht es beim Reskilling darum, dass bestehende Mitarbeiter völlig neue Fähigkeiten erlernen: also Umschulung. Gerade am Arbeitsplatz schreiten die technologischen Entwicklungen sehr schnell voran, um den immer höheren Anforderungen der Kunden gerecht zu werden und auf die Überalterung der Belegschaft zu reagieren. Denken Sie an die Einführung eines neuen Maschinentyps, die Automatisierung von Prozessen oder die Nutzung von Daten zur intelligenteren Steuerung der Produktion. Neben Computerkenntnissen und technischem Verständnis werden heute von einem Produktionsmitarbeiter auch ganz andere Soft Skills erwartet als früher.
Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke werden immer wichtiger, um am Arbeitsplatz bestehen zu können.
Warum Reskilling am Arbeitsplatz gerade jetzt so wichtig ist
Es gibt verschiedene Gründe, in Reskilling zu investieren. Wie in vielen anderen Branchen haben auch viele Fabriken heute mit Personalmangel, hohem Arbeitsdruck und einer alternden Belegschaft zu kämpfen. Gleichzeitig wächst in der Produktion der Bedarf an Mitarbeitern, die nicht nur ausführende Tätigkeiten übernehmen, sondern auch mitdenken, analysieren und steuernd eingreifen können: Fähigkeiten, die früher in einer Fabrik deutlich weniger relevant waren. Anstatt immer wieder nach der „eierlegenden Wollmilchsau“ zu suchen, ist es oft klüger, in die Menschen zu investieren, die bereits da sind. Das erspart Ihnen eine Menge Kopfzerbrechen bei der Personalbeschaffung. Investitionen in Reskilling haben noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Das Employee Engagement steigt sprunghaft an. Mitarbeiter, die sich weiterentwickeln können, fühlen sich oft wertgeschätzter und sind dadurch stärker mit ihrer Arbeit und dem Unternehmen verbunden.
Und das spiegelt sich in Motivation, Loyalität und Produktivität wider.
Wie gehen Sie Reskilling in Ihrer Fabrik an?
Das Schöne am Reskilling von bestehendem Personal ist: Die Leute sind bereits bei Ihnen. Sie kennen das Unternehmen, die Prozesse und die Kultur. Alles, was sie brauchen, ist die richtige Schulung, um neue Fähigkeiten zu entwickeln und zu lernen, mit neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten umzugehen.
Dafür haben wir ein paar Tipps für Sie!
1. Gestalten Sie die Schulung praxisorientiert
Der durchschnittliche Produktionsmitarbeiter ist kein Theoretiker, der es gewohnt ist, stundenlang mit der Nase in Büchern oder vor einem Bildschirm zu sitzen. Neue Kenntnisse oder Fähigkeiten müssen im täglichen Arbeitsalltag funktionieren, darum geht es. Um sicherzustellen, dass das Umschulungsprogramm wirklich den Bedürfnissen entspricht, ist es sinnvoll, Ihre Mitarbeiter bereits im Vorfeld bei der Zusammenstellung des Umschulungsweges einzubeziehen. Fragen Sie sie, wo sie auf Schwierigkeiten stoßen oder womit sie zufrieden sind, worauf sie neugierig sind und wie sie glauben, dass sich ihre Arbeit in Zukunft verändern wird. Eine solche Bestandsaufnahme kann natürlich persönlich erfolgen, aber auch digital durchgeführt werden, zum Beispiel mit einer Online-Umfrage, einer Mitarbeiterbefragung oder (bei einem einzelnen Thema) einer Umfrage via WhatsApp.
2. Persönlicher Entwicklungsplan für echte Maßarbeit
Reskilling muss nahtlos an die Entwicklungsbedürfnisse und -möglichkeiten des einzelnen Mitarbeiters anknüpfen. Das erreichen Sie nicht nur, indem Sie auf bereits vorhandenes Wissen und Erfahrung eingehen, sondern auch, indem Sie Kultur, private Umstände und bevorzugte Lernmethoden bei der Zusammenstellung des Umschulungsweges berücksichtigen. Individuelle Aufmerksamkeit für den Mitarbeiter ist ein wichtiger Treibstoff, um den Entwicklungsmotor am Laufen zu halten. Sobald Sie merken, dass große Veränderungen im Bereich Produktionsprozess, Technologie oder Aufgabenpaket anstehen, ist es an der Zeit, sich mit den Mitarbeitern zu einem 1-zu-1-Gespräch für einen persönlichen Entwicklungsplan zusammenzusetzen. Indem man genau darauf eingeht, was jemand wirklich mit seiner Karriere erreichen will, wie Wissen am besten aufgenommen wird (ist es ein Leser, ein Zuschauer, ein Zuhörer oder eher ein „Anpacker“?) und was bereits an Wissen und Erfahrung vorhanden ist, entsteht fast von selbst eine personalisierte Roadmap, um von Funktion A zu Funktion B zu gelangen. Sehr nützlich, sowohl für das Unternehmen als auch für den Mitarbeiter selbst.
3. Modular macht flexibel
Es ist klug, Reskilling aus verschiedenen Modulen aufzubauen. Jeder Mitarbeiter kann dann so einsteigen und weiterlernen, wie es am besten zu ihm oder ihr passt. Sie können einfacher mit dem Lerntempo „spielen“, aber auch mit dem Sprach- und Wissensniveau sowie der Art der Vermittlung. Versuchen Sie dabei, „out of the box“ zu denken. Es ist zum Beispiel nicht immer notwendig (geschweige denn praktisch), stundenlang gemeinsam in einem Klassenzimmer zu sitzen; nutzen Sie lieber die flexiblen Möglichkeiten von E-Learning. Damit können Sie einen Reskilling-Prozess nicht nur sehr flexibel an technologische oder organisatorische Entwicklungen anpassen, sondern auch an den individuellen Lernbedarf. Zeit- und ortsunabhängiges Lernen ist zudem ideal für die unregelmäßigen Schichten, die in den meisten Fabriken vorkommen.
Der Einsatz eines Flipped Classroom, bei dem der Mitarbeiter den Lernstoff vorab in eigener Zeit und eigenem Tempo durchgeht, um das Gelernte anschließend in die Praxis umzusetzen, passt ebenfalls hervorragend zum Gedanken der persönlichen Umschulung.
4. Schritt für Schritt: Microlearning
Gehen Sie es nicht zu schnell an. Die meisten Menschen sind Gewohnheitstiere und brauchen etwas Zeit, um sich an ein neues Aufgabenpaket zu gewöhnen, geschweige denn an eine völlig andere Funktion. Gehen Sie das Reskilling also schrittweise an und nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Wir sind zum Beispiel große Fans von sogenannten Microlearnings: kleine Informationshäppchen, die Sie regelmäßig in einer attraktiven Verpackung anbieten (siehe den nächsten Tipp). Bieten Sie die kleineren Wissenssnacks auf vielfältige Weise zu verschiedenen Zeitpunkten an: während einer Teambesprechung, in E-Mails, als Anleitungsvideo am Arbeitsplatz oder als Flyer am schwarzen Brett in der Kantine. Durch diese Abwechslung verhindern Sie, dass die Information zu „weißem Rauschen“ wird, das nicht mehr wahrgenommen wird.
5. Sorgen Sie für Spaß!
Natürlich ist Reskilling eine ernste Angelegenheit. Aber deshalb muss es noch lange nicht langweilig sein! Wenn Sie jemanden mit Ihrem Ansatz überraschen, ziehen Sie garantiert die Aufmerksamkeit auf sich und verhindern, dass Ihr Gegenüber einschläft. Indem Sie beispielsweise hin und wieder eine humorvolle Situation in die Schulung einbauen, einen Kollegen in einem Anleitungsvideo mitspielen lassen oder Gamification nutzen, werden die Informationen plötzlich viel unterhaltsamer und – was noch wichtiger ist – besser behalten. Ein weiterer schöner Anreiz ist eine Belohnung nach Abschluss eines Kurses oder einer Schulung. Nein, das muss nicht unbedingt in Form von zusätzlichem Geld sein. Ein klassisches Zertifikat (am besten ausgedruckt in einem Rahmen!) sorgt für das zusätzliche Belohnungsgefühl im Gehirn, das jemanden motiviert, weiter dazuzulernen.
6. Social Learning
Nutzen Sie Social Learning: Menschen lernen am effektivsten durch Interaktion und Zusammenarbeit. Diese Erkenntnis können Sie auf verschiedene Weise umsetzen. Setzen Sie beispielsweise einen Mentor ein, um Wissen persönlich zu vermitteln, organisieren Sie ein „Lunch and Learn“, bei dem sich Kollegen informell in der Mittagspause austauschen, und sorgen Sie für eine Chat-Funktion bei E-Learnings, damit Mitarbeiter ihre Erfahrungen teilen können.
7. Lernkultur als Teil Ihrer Unternehmenskultur
Reskilling ist keine einmalige Aktion, sondern eine Art, Arbeit und Entwicklung zu betrachten. Gerade in einem sich schnell verändernden Umfeld – wie der Produktion – ist es wichtig, Lernen als etwas Selbstverständliches zu begreifen und es fest in der Unternehmenskultur zu verankern. Das beginnt damit, Ihre Mitarbeiter bei der Um- und Weiterbildung optimal zu unterstützen. Bieten Sie ihnen die richtigen Tools an und sorgen Sie dafür, dass sie die richtige Einstellung entwickeln und beibehalten.
Aktualisieren Sie die Inhalte Ihrer Wissensplattform regelmäßig mit den neuesten Branchentrends und Entwicklungen und senken Sie die Lernhürden, indem Sie ausreichend Zeit zum Lernen und ansprechendes Lehrmaterial bereitstellen.
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